Längere Schulwege für Unnas Grundschüler

Der Arbeitskreis Kommunalpolitik Unna traf sich Ende Januar und diskutierte über das Schulkonzept der Kreisstadt Unna. Anträge an den Stadtrat zur Prüfung alternativer Konzepte wurden bereits vom Arbeitskreis eingereicht. Auf der Sitzung im Januar stellte Herr Ernst Otto Derwald, engagierter Vater an der Unnaer Nicolaischule, dem Arbeitskreis seine Sicht der Dinge vor. So kritisiert Derwald vor allem, dass rein wirtschaftliche Gründe für das vorgeschlagene Schulkonzept ausschlaggebend sind und die sich daraus ergebende Veränderung der Schulwege für die betroffenen Schüler nicht ausreichend untersucht wurde. Darüberhinaus hält er auch die Finanzierungsvorschläge für nicht plausibel und ist überzeugt, dass die Kosten für einen Neubau deutlich höher ausfallen werden, als die angegeben 16 Millionen Euro.

Deshalb sind seine Forderungen an die Stadtverwaltung, unter anderem, aussagekräftige Daten zur räumlichen Schülerverteilung und die Erstellung eines alternativen Konzeptes, das alle bisherigen Schulstandorte erhält. Besondere Berücksichtigung sollte auch der Verteuerung von Mobilität und der damit erhöhten Nachfrage nach kurzen Wegen gewidmet werden. Die Veröffentlichung des Bodengutachtens über das Grundstück am Hertinger Tor, auf dem der geplante Schulneubau untergebracht werden soll, ist eine weitere Forderung.

Anders als die Piraten in ihrem Antrag, möchte Derwald auch die Nicolaischule erhalten und sieht viele Gründe, die dafür sprechen. So hat er sich, unter anderem, mit der Schulweglänge ausführlich auseinandergesetzt und kann hierzu auch mit interessanten Zahlen und Grafiken aufwarten. Nach seinen Berechnungen verlängert sich der Schulweg der Nicolaischüler, durch einen Neubau am Hertinger Tor, um durchschnittlich 370 m, nach Derwald ein krasser Widerspruch zur Initiative „Kurze Beine Kurze Wege“ der Rot-Grünen Landesregierung.

Der Begriff „kurzer Weg“ ist allerdings nicht eindeutig definiert. Nach §5 SchfkVO (Schülerfahrkostenverordnung) entstehen Fahrkosten, „wenn der Schulweg nach § 7 Abs. 1 in der einfachen Entfernung für die Schülerin oder den Schüler der Primar­stufe mehr als 2 km be­trägt.“ Das entspräche also einem maximal zumutbaren Schulweg eines Grundschülers. Ein maximal zumutbarer Weg, kann aber nicht gleichzeitig auch ein „kurzer Weg“ sein. Derwald geht deshalb davon aus, dass man einen kurzen Weg mit der Hälfte des maximal zumutbaren Weges bemessen kann, also mit 1 km.

Schulwege_1

Grafik: Ernst Otto Derwald

Betrachtet man nun die Gebiete um die einzelnen Schulstandorte herum, die mit einem Schulweg von 1 Km zu erreichen sind, so stellt man fest, dass ausgerechnet der neue Standort am Hertinger Tor mit seinem 1-km-Schulwegbereich (rot), aufgrund der ungünstigen Lage zur B1, fast überhaupt nicht in Gebiete südlich der B1 hineinragt. Die 1-Km-Schulwegbereiche der drei Altstandorte dagegen, ergänzen sich äußerst sinnvoll, so dass Bereiche südlich der B1 und nördlich der Bahnlinie auf kurzem Wege erreicht werden können. Insgesamt erkennt man, dass die Zusammenfassung der Altstandorte zu einem Schulzentrum, den gesamten 1-km-Schulwegbereich (rot) auf etwa die Hälfte verkleinert. Der Vergleich der Summe der Fußwege (Hin und Rückweg) zwischen der Nicolaischule und dem Hertinger Tor ergibt, dass der gesamte Fußweg aller Schüler sich um 72 km insgesamt verlängert, was im Schnitt einer Steigerung pro Schüler von 40% entspricht.

All das sind wichtige Argumente, die in der bisherigen Diskussion viel zu kurz gekommen sind. Von der Stadtverwaltung sind bislang leider keine fundierten Angaben zur Veränderung der Schulwege vorgelegt worden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass verschiedene Konzepte zur Prüfung vorgelegt und anschliessend diskutiert werden.


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